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Worum es geht

In diesem Blogbeitrag beschäftigen wir uns mit den Vor- und Nachteilen einer standardisierten Lösung im Vergleich zu einer eigens entwickelten Lösung.

Wie unterscheidet sich Standardsoftware von Individualsoftware?

Individualsoftware ist eine speziell für ein Unternehmen und seine Abläufe entwickelte Lösung. Hier kann zwischen Eigenentwicklung und Auftragsprogrammierung unterschieden werden, denn Unternehmen können diese Lösungen zum einen intern durch die eigene IT-Abteilung entwickeln lassen oder einen externen Dienstleister wie Systemhäuser oder Agenturen mit der Entwicklung beauftragen.

Standardsoftware hingegen ist eine bereits existierende Lösung, die ein spezialisierter Anbieter für eine Vielzahl an Kunden entwickelt hat. Sie dient der Umsetzung von Prozessen und Aufgaben, die in verschiedenen Unternehmen anfallen und ähnlich ablaufen.

Individualsoftware – die hochindividuelle und aufwändige Lösung

Die Vorteile der Individualsoftware werden schon durch die Begriffsbezeichnung deutlich, denn Individualsoftware lässt sich nach eigenen Anforderungen umsetzen. Sie können die Software auf Ihre bestehenden Prozesse abstimmen und individuelle Anpassungen vornehmen. Die Komplexität einer individuellen Lösung wird jedoch häufig unterschätzt. Zudem kommen auf Unternehmen Nachteile wie hohe Aufwände und Kosten zu.

Bei der Eigenentwicklung kann mangelnde Expertise zum Problem werden, denn Softwareprogrammierung ist in der Regel nicht die Kernkompetenz des eigenen Unternehmens. Das führt dazu, dass Aufwände und Kosten anfangs nicht klar abschätzbar sind. Regelmäßige Wartungen und fortlaufende Weiterentwicklungen nehmen viel Zeit in Anspruch und sind möglicherweise für die interne IT-Abteilung nicht effizient umsetzbar. Zudem sind IT-Abteilungen notorisch überlastet. Schließlich muss wieder ein Slot gefunden werden, wenn eine Funktionserweiterung notwendig ist. So kann sich die Entwicklung enorm in die Länge ziehen.

Wer sich für eine Auftragsprogrammierung entscheidet, kämpft mit anderen Nachteilen. Die Programmierung durch einen externen Dienstleister mag im ersten Moment nach einer guten Option klingen, jedoch ist auch diese mit teils hohen Aufwänden verbunden: Die Erfassung eigener Anforderungen und die Koordination mit dem Dienstleister kann unter Umständen viel Zeit in Anspruch nehmen. Zudem findet in der Regel keine kontinuierliche Weiterentwicklung der Software durch den Dienstleister statt. Für Anpassungen oder die Entwicklung neuer Funktionen fallen dann zusätzliche Kosten bei jeder weiteren Entwicklungsanfrage an.

Neben den höheren Entwicklungskosten, welche ein Anwenderunternehmen allein tragen muss, fehlt zudem eine zukunftsorientierte Produkt-Roadmap. Diese Roadmap kann maßgeblich dazu beitragen, dass sich nicht nur der Status Quo eines Prozesses abbilden lässt, sondern das Anwenderunternehmen von technologischen Innovationen profitiert und Unternehmen möglicherweise sogar Ihre Prozesse auf Basis der Softwaremöglichkeiten optimieren können.

Standardsoftware – die effiziente und zukunftssichere Lösung

Wer sich für die standardisierte Lösung entscheidet, profitiert von der wesentlich schnelleren Bereitstellung. Die Software ist bereits entwickelt und kann oft sofort genutzt werden. Sie ist bereits durch andere Kunden erprobt und somit hinsichtlich Oberfläche und Funktionen ausgereifter und weniger fehleranfällig als eine neu entwickelte Lösung. Auch in Bezug auf Kosteneffizienz und Kostentransparenz punktet die Standardlösung, denn die hohen Entwicklungskosten teilen sich auf alle Kunden auf und die Höhe der Kosten steht bereits im Vorfeld fest.

Standardlösungen entwickeln sich aus den Anforderungen mehrerer Unternehmen. Somit kennen Softwareanbieter die Anforderungen von verschiedenen Unternehmen am Markt und entwickeln eine zukunftsfähige Software basierend auf Best Practices. Standardsoftware entwickelt sich in der Regel fortlaufend weiter und wächst stetig in ihrer Funktionalität und Qualität. Sie sollten jedoch beachten, für welchen Anbieter Sie sich entscheiden. Kaufen Sie eine Software, leisten Sie unter Umständen nur eine Einmalzahlung, müssen jedoch womöglich separat für Updates bezahlen. Eine andere Möglichkeit ist das Mieten einer Software im “Software as a Service”-Modell, welches zusätzliche Flexibilität und geringere Investitionen für das Anwenderunternehmen bedeutet.

Eine Standardsoftware hat also viele Vorteile, die eine Individualsoftware nicht bieten kann. Auch in Sachen Individualisierung und Integration müssen nur auf den ersten Blick Abstriche gemacht werden. Aufgrund des zunehmenden Trends, Software im Microservice-Ansatz mit hoher Integrationsfähigkeit zu entwickeln, entfällt der scheinbare Nachteil von Standardsoftware zunehmend. Neue Software lässt sich leichter per standardisierte Schnittstellen (bspw. REST API) integrieren und die gewünschte Funktionalität ist häufig bei einem der vorherrschenden Softwareunternehmen wiederzufinden.

Die Entscheidung: Standardsoftware vs. Individualsoftware

Die hohen Aufwände und Kosten einer individuellen Lösung lohnen sich nur, falls es für den gewünschten Anwendungsfall keine standardisierte Lösung auf dem Markt gibt. Bevor Sie also eine hohe Investition für eine individuelle Lösung tätigen, empfiehlt es sich, bestehende Standardsoftware unter die Lupe zu nehmen. Häufig haben Sie die Möglichkeit, Testläufe mit der Software in einem kleinen Umfang durchzuführen, um so festzustellen, ob die Software Ihre Anforderungen erfüllt.

Die Frage nach der geeigneten Lösung lässt sich also nicht pauschal für alle Anwendungsfälle beantworten. In den meisten Fällen ist jedoch Standardsoftware die sichere Wahl. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, haben wir den Vergleich beider Lösungen für Sie zusammengefasst:

Standardsoftware vs. Individualsoftware Tabelle

Einfach skalierbare Standardlösung für operative Prozesse

Gerade bei mitarbeiterzentrierten Prozessen auf dem Shopfloor ist Standardsoftware einer Individualprogrammierung deutlich überlegen. Typischerweise stellen dort Dokumente wie Arbeitsanweisungen, Checklisten oder Protokolle die Grundlage für eine Prozessführung für jegliche Montagetätigkeiten, Inspektionen, Wartungsaufgaben und vieles mehr dar. Diese operativen Prozesse ermöglichen erst einen reibungslosen Produktionsbetrieb. Diese Prozesse sind dabei häufig komplex und somit erklärungsbedürftig und müssen robust sein, um fehlerminimal durchgeführt zu werden.

In solch einem Shopfloor-Kontext spielt Standardsoftware seine Stärken insbesondere anhand von drei Aspekten aus:

  • Aufgrund der Komplexität der Prozesse ist ein intuitiv verständliches und erprobtes User Interface (UI) enorm wichtig. Dies können nur Softwareunternehmen sicherstellen, die Ihre Software breit im Einsatz haben.

  • Um die Robustheit und Skalierbarkeit der Prozesse sicherzustellen, ist ein enormer Entwicklungsaufwand „unter der Haube“ notwendig, um Aspekte wie einen modularen Aufbau, Versionierung, systematisch verankerte Mehrsprachigkeit oder strukturell performante Analytics zu ermöglichen. Dies wird häufig bei Eigenentwicklungen unterschätzt und Anwenderunternehmen geraten schnell an Ihre Grenzen.

  • Die Zukunftsfähigkeit der Prozesse wird gewährleistet. Die Art und Weise wie Menschen auf der Produktionsfläche arbeiten wird sich auch in den nächsten Jahren kontinuierlich weiterentwickeln. Durch zunehmend einfachere Integrationskonzepte und offene Schnittstellen können Nutzer von Standardsoftware im Microservice-Ansatz von angrenzenden Technologieinnovationen profitieren und ihre Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln.

Fazit

Zwar lässt sich die Frage Standardsoftware vs. Individualsoftware nicht kategorisch beantworten, für die meisten Anwendungsfälle überwiegen die Vorteile einer Standardlösung. Gerade in Bereichen, die für die Leistungserstellung von Unternehmen so wichtig sind wie jene operativen, mitarbeitergeführten Prozesse auf dem Shopfloor, sollte ein spezialisierter Softwareanbieter ausgewählt werden, mit welchem sich die digitale Transformation partnerschaftlich gestalten lässt.

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Moritz Stern

Head of Strategy & Marketing moritz.stern@operations1.com

Zum Autor

Moritz Stern leitet bei Operations1 die Bereiche Strategie und Marketing. Vor seinem Wechsel zu Operations1 war Moritz bei Strategy& tätig, der Strategieberatung von PwC. Hier hat er Kunden aus dem Operations-Umfeld rund um den Globus in strategischen Themen beraten. Zuvor war Moritz tätig bei Alstom Power, Merck KGaA und Arthur D. Little. Moritz ist studierter Wirtschaftsingenieur (M. Sc.).

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