Die Oetiker Group fertigt Verbindungslösungen für Mobilitäts- und Industrieanwendungen an 13 Produktionsstandorten weltweit, an denen Hunderte von Anlagen in Zyklen von täglich bis jährlich gewartet werden müssen. Trotz etablierter Lean-Kultur und eines neuen MES lief die Wartungsplanung noch über Excel, Outlook und Magnettafeln, die Durchführung auf Papier. Seit Oetiker 2021 begann, die präventive Instandhaltung mit Operations1 zu digitalisieren, ist die OEE am Standort Kanada innerhalb von sechs Monaten um 11 Prozentpunkte gestiegen, bei 5 Prozentpunkten mehr Anlagenverfügbarkeit und 23 % kürzerer Reparaturzeit.
Das Wichtigste in Kürze
Oetiker Group, Industriegüter (High-End-Verbindungslösungen wie Klemmen, Ringe, Bänder und Quick Connectors)
Digitale präventive Instandhaltung mit Anbindung an das MES Leading2Lean
+11 Prozentpunkte OEE am Standort Kanada, 6 Monate nach der Einführung von Operations1
+5 Prozentpunkte Anlagenverfügbarkeit
-23 % Mean-Time-To-Repair (MTTR)

Die Ausgangslage
Oetiker ist kein Digitalisierungs-Neuling. Das Unternehmen hatte früh eine globale Lean-Manufacturing-Kultur etabliert und setzte in allen Werken Methoden wie Visual Management, 5S und Total Productive Maintenance ein. 2020 folgte die Einführung des globalen MES Leading2Lean (L2L). Damit wusste Oetiker erstmals systematisch, wie lange Maschinen laufen, wann und warum sie stehen und wann Wartungszyklen fällig sind.
Die Lücke lag dazwischen. L2L lieferte die Wartungszeiträume, doch die detaillierte Planung der Wartungsarbeiten lief weiterhin manuell über Excel, Outlook und Magnettafeln. Die Wartungsanweisungen kamen auf Papier an die Maschine, die Dokumentation wurde anschließend digital archiviert und der Auftrag in L2L geschlossen. Die Folge waren Medien- und Systembrüche, fehlende Transparenz und ein aufwendiges Reporting.
Die Probleme zeigten sich auf drei Ebenen:
Dokumentenhandling: Erstellung, Freigabe, Überarbeitung, Verteilung und Ablage der Wartungsanweisungen waren extrem zeitaufwendig. Hunderte Anlagen mit unterschiedlichen Wartungszyklen und maschinellen Unterschieden pro Standort ließen sich mit manuellen Prozessen nicht zuverlässig abbilden. Das Fehlerrisiko war ständig präsent.
Prozessebene: Es gab keinen Single Point of Truth für Dokumentenmanagement, Wartungsplanung und Dokumentation. Es drohte Versionschaos, und weil die Papierdokumentation nicht lückenlos war, ließen sich Wartungsprozesse kaum analysieren.
Globale Perspektive: Über alle nationalen und internationalen Werke hinweg bremsten diese Faktoren die Standardisierung der Instandhaltungspraxis.
Damit steht Oetiker exemplarisch für viele Industrieunternehmen mit maschinenintensiver Fertigung: Die Datenbasis aus dem MES ist vorhanden, aber die letzte Meile zum Instandhalter an der Maschine läuft noch analog. Genau dort entstehen Zeitverluste, Fehler und blinde Flecken.

Der Weg zur Lösung
Als Oetiker 2021 mit der globalen Implementierung von Operations1 begann, war das Zielbild klar: das bestehende Lean-basierte Instandhaltungssystem vollständig digitalisieren. Gesucht war eine Lösung, die global eingesetzt werden kann und jedem Mitarbeitenden jederzeit zur Verfügung steht. Operations1 erwies sich dabei als passender Sparringspartner. Ausschlaggebend waren die Cloud-basierte Plattform, die nahtlose Integration mit Leading2Lean inklusive Automatisierung, die Möglichkeit, maschinenspezifische Varianten abzubilden, und die Mehrsprachigkeit. Hinzu kamen die schnelle Implementierbarkeit und die hohe Nutzerfreundlichkeit.
MES und Shopfloor verbinden
Durch die Anbindung an L2L schließt Operations1 die Lücke zwischen Wartungsplanung und Durchführung. Der richtige Mitarbeitende erhält die für ihn relevanten Instandhaltungsanweisungen zur richtigen Zeit, ohne manuelle Planung über Excel und Magnettafeln.
Maschinenspezifische Checklisten statt Papier
Die Instandhalter arbeiten die Wartungsanweisungen Schritt für Schritt über den Touchscreen am Tablet ab, als intuitive digitale Checklisten und Prüfprotokolle. Detaillierte maschinenspezifische Instruktionen sind direkt integriert. Über Strukturklassen bildet Oetiker die unterschiedlichen Maschinentypen im Backend ab, und der modulare Aufbau der Dokumente macht die Lösung über viele Anlagen und Standorte hinweg skalierbar.
Ein Single Point of Truth für alle Werke
Alle Dokumente, die früher in Papierbergen lagen, sind heute an einem Ort gebündelt, jederzeit aktuell und von jedem Standort aus abrufbar. Echtzeit-Prozessdaten und automatisch erzeugte Reports schaffen die Transparenz, die vorher fehlte. Bis heute hat Oetiker Operations1 an 6 von 13 Produktionsstandorten ausgerollt und die papierbasierten Wartungsarbeiten dort durch digitale Prozesse ersetzt.
„Mit Operations1 etablieren wir einen globalen Standard für präventive Instandhaltung in unseren 13 Werken“, sagt Susanne Conrad, Head Equipment Engineering der Oetiker Group.

Die Ergebnisse
Oetiker hat sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: perspektivisch eine OEE von 85 % zu erreichen. Den ersten Meilenstein erreichte der Standort Kanada schnell:
+11 Prozentpunkte OEE in 6 Monaten: Sechs Monate nach der Einführung von Operations1 stieg die Gesamtanlageneffektivität am Standort Kanada um 11 Prozentpunkte.
+5 Prozentpunkte Anlagenverfügbarkeit: Bessere Planung und regelmäßige Wartung vermeiden Maschinenausfälle.
-23 % Mean-Time-To-Repair: Die mittlere Reparaturzeit nach dem Ausfall einer Maschine sank um knapp ein Viertel.
„Durch einen digitalisierten Instandhaltungsansatz konnten wir bereits nach 6 Monaten die Gesamtanlageneffektivität um 11 %P steigern“, sagt Jacob Reid, Head Engineering der Oetiker Group.
Im Alltag der Instandhaltung hat sich viel verändert. Durch bessere Planung und regelmäßige Wartung lassen sich Maschinenausfälle sowie hohe Reparatur- und Ersatzteilkosten vermeiden. Nicht wertschöpfende Dokumentationstätigkeiten entfallen, und die Instandhaltung ist in Planung und Durchführung effizienter geworden. Ein wichtiger Nebeneffekt: Der digitale Prozess ermöglicht autonome präventive Instandhaltung. Werker können kleinere Wartungsaufgaben selbst übernehmen, was die Flexibilität im Personaleinsatz erhöht. Die gut gewarteten Maschinen sorgen zudem für ein sicheres und modernes Arbeitsumfeld.
Auch bei Audits zahlt sich die Digitalisierung aus. Alle Instandhaltungsaktivitäten sind vollständig nachvollziehbar, und die lückenlose Dokumentation mit automatisch erzeugten Reports sorgt für Revisions- und Auditsicherheit bei Kundenaudits.

Ausblick
Nach 6 der 13 Werke plant Oetiker bereits den Rollout von Operations1 an 4 weiteren Standorten. Das Ziel bleibt ein einheitlicher globaler Standard für präventive Instandhaltung und eine OEE von 85 %.

Über Oetiker
Die Oetiker Group ist ein weltweit führender Anbieter von High-End-Verbindungslösungen mit Hauptsitz in der Schweiz. Das Unternehmen fertigt hochwertige Klemmen, Ringe, Bänder und Quick Connectors für eine breite Palette von Mobilitäts- und Industrieanwendungen und beliefert Kunden in der Automobilbranche, im Handel und in der Industrie. Dabei verfolgt Oetiker einen 360-Grad-Ansatz, der Verbindungs-, Montage- und weltweite Engineering-Dienstleistungen integriert.
Die Oetiker Group verfügt über 13 Produktionsstätten weltweit und beschäftigt über 2.000 Mitarbeitende. Charakteristisch für die Fertigung ist ein großer Maschinenpark mit Hunderten von Anlagen, unterschiedlichen Wartungszyklen und maschinellen Unterschieden zwischen den Standorten.

